Mängelexemplar

20
Mär 09
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MängelexemplarWer Sarah Kuttner kennt wird bei dem Roman „Mängelexemplar“ ein urkomisches Buch erwarten. Ihre Komik mag Geschmackssache sein, ist aber für Liebhaber wohl zum totlachen. Doch in diesem Buch verhält sich alles anders. Kuttner schreibt über die gebeutelte Karo, die durch Depressionen und Verstimmungen den Leser in eine ganz neue Welt entführt. Man fühlt mit der Protagonistin mit, wird erschrocken und aufgewühlt. Die liebevollen Einzelheiten und eine treffende Beschreibung des Alltags lassen einen gewissen Wiedererkennungswert aufkommen, der das „involvement“ des Lesers maßgeblich erhöht. Auch die treffenden Bemerkungen Kuttners über das Leben an sich und ihre raffinierte Art Ansichten darzustellen, machen dieses Buch außergewöhnlich und in jedem Fall lesenswert. Nicht zuletzt, weil man einen gewissen, wenn auch eingeschränkten, Blick in die Bewältigung solcher Depressionen erlangt. Man kommt dem Thema Therapie unfreiwillig näher, wird davon jedoch nicht überfordert.

Das Buch ist leicht zu lesen, ohne dabei leichte Kost darzustellen, bzw. im positivsten Sinne. Natürlich kann es nicht die vollendete Tiefe bieten, doch muss es das auch nicht. Es verschafft Einblicke und kann so Interesse wecken, die ohne dieses Buch wohl auf lange Zeit verborgen geblieben werden. Es ist der deprimierende Spiegel einer teilweise zutiefst verbitterten Gesellschaft, ohne mit dem Daumen auf Leute zu zeigen, dafür ein „Bravo!“


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