ObsessionSimon Becket dürfte dem einen oder anderen Leser ein Begriff sein. Mit Büchern, wie „Chemie des Todes“, „Kalte Asche“, oder „Leichenblässe“ konnte er den Krimiliebhaber in die morbiden Tiefen der Forensik eintauchen lassen, ohne dabei abstoßend zu wirken. Gut recherchiert und mit immer wieder neuen Szenarien hat er gerade zu einen Hype um dieses Thema ausgelöst und wohl nicht wenige Menschen um ihren Schlaf gebracht. Nicht, dass diese Leser aus Angst nicht mehr einschlafen konnten, sie wollten nur das Buch auslesen und konnten es nicht aus der Hand legen.

Nicht David Hunter spielt in diesem Roman die Hauptrolle, sondern Ben, der am Boden zerstört lediglich von einem autistischen Kind aufgeheitert werden kann. Nun ist mir klar, dass das Thema Autismus in den letzten Jahren, nicht zuletzt von immer wiederkehrenden cineastischen Handlungen, ein wenig „ausgelutscht“ erscheint. Die feinfühlige Art, mit der Beckett sich diesem Thema nähert, ist allerding weitaus interessanter, als es die meisten Filme vermitteln könnten. So ist dieser Roman auch weitaus weniger blutrünstig als die Hunter-Reihe und manch einer würde behaupten Beckett hat sich mit diesem Buch erst warm geschrieben. Es ist weit weniger auf Schrecken oder Angst ausgelegt, sondern bemüht sich um eine psychologische herangehensweise. Schon alleine diese andere Sicht macht „Obsession“ zu einem ungemein gelungenen Buch. Was genau die Obsession in diesem Buch ist, sollten sie beim Lesen selber heraus finden. Machen sie sich jedoch auf mitreißende Grundsatzfragen gefasst.

Mängelexemplar

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Mär 09
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MängelexemplarWer Sarah Kuttner kennt wird bei dem Roman „Mängelexemplar“ ein urkomisches Buch erwarten. Ihre Komik mag Geschmackssache sein, ist aber für Liebhaber wohl zum totlachen. Doch in diesem Buch verhält sich alles anders. Kuttner schreibt über die gebeutelte Karo, die durch Depressionen und Verstimmungen den Leser in eine ganz neue Welt entführt. Man fühlt mit der Protagonistin mit, wird erschrocken und aufgewühlt. Die liebevollen Einzelheiten und eine treffende Beschreibung des Alltags lassen einen gewissen Wiedererkennungswert aufkommen, der das „involvement“ des Lesers maßgeblich erhöht. Auch die treffenden Bemerkungen Kuttners über das Leben an sich und ihre raffinierte Art Ansichten darzustellen, machen dieses Buch außergewöhnlich und in jedem Fall lesenswert. Nicht zuletzt, weil man einen gewissen, wenn auch eingeschränkten, Blick in die Bewältigung solcher Depressionen erlangt. Man kommt dem Thema Therapie unfreiwillig näher, wird davon jedoch nicht überfordert.

Das Buch ist leicht zu lesen, ohne dabei leichte Kost darzustellen, bzw. im positivsten Sinne. Natürlich kann es nicht die vollendete Tiefe bieten, doch muss es das auch nicht. Es verschafft Einblicke und kann so Interesse wecken, die ohne dieses Buch wohl auf lange Zeit verborgen geblieben werden. Es ist der deprimierende Spiegel einer teilweise zutiefst verbitterten Gesellschaft, ohne mit dem Daumen auf Leute zu zeigen, dafür ein „Bravo!“

Ich weiß, was du denkstLeider weiß ich nicht wirklich, was sie jetzt gerade denken. Thorsten Havener aber vermutlich schon. Wir sehen also, es kann nicht am Namen liegen :-) Doch woher weiß der Autor des Buches: „Ich weiß, was du denkst: Das Geheimnis, Gedanken zu lesen“ denn überhaupt, was die Menschen in seiner Umgebung denken? Magie, Illusion, ein billiger Trick? Weit gefehlt. Es geht um die Interpretation von Körpersprache, Gesten und Mimik. Auch über NLP erfährt der Leser in diesem Rundumschlag einiges. Das Buch darf jedoch nicht als Anleitung verstanden werden, denn die meisten Dinge werden zwar ausführlich beschrieben, jedoch nicht en Detail und Punkt für Punkt erklärt. Vielmehr geht es um einen vorläufigen Eindruck und der Veranschaulichung dieser mächtigen Fähigkeit. Wer sich hingegen, angeregt durch dieses Buch, dazu verführt fühl mehr über solche Dinge in Erfahrung zu bringen, der findet ein reichhaltiges und gut sortiertes Literaturverzeichnis, das für alle weiterreichenden Überlegungen genug Anregung bieten sollte.

Das Buch geht auch in Richtung Selbstmotivation und hilft im Allgemeinen Menschen besser einschätzen zu können. Da sich diese Eigenschaft wunderbar im Alltag bemerkbar macht, sei es im privaten, oder beruflichen Umfeld, lohnt sich diese Buch in jedem Fall. Erwarten sie keine Zaubertricks, vielmehr den Einstieg in eine interessante, neue Welt, die eigentlich schon immer vor ihnen gelegen hat, aber noch nie so greifbar war, wie jetzt.

Watchmen


Superhelden Comics neigen dazu die Welt in schwarz und weiß, gut und böse aufzuteilen, wobei das Gute letztlich immer siegt. Das dies mit der Realtität nicht all zu viel gemein hat, ist bekannt. Und auch wenn wir uns etwas wünschen, dass wahrhaft gerecht ist und den Glauben an das Gute nicht verlieren wollen, so fühlen wir uns doch zum Zwielichtigen, Undurchschaubaren hingezogen, vielleicht weil es mehr unserer selbst entspricht. Watchmen ist so etwas wie der Antichrist der Comics. Alternde Superhelden, die ihre persönlichen Probleme mit sich schleppen und weit davon entfernt sind perfekt oder moralisch eindeutig zu sein. Alan Moore hat ein Superhelden Universum geschaffen, dass einen parallelen Zeitrstrang um die Geschichte des Kalten Kriegs erzählt und der nukleare Untergang der Menschheit unmittelbar bevorsteht. Eine Welt, in der Superhelden nicht so recht willkommen sind. Watchmen gehört sicherlich zu den interessantesten und alternativsten Comics und brilliert durch seine ganz eigene Art. Die Charaktere sind nicht stereotyp, dafür teilweise so krankhaft veranlagt, wie es nur Individuen unserer Gesellschaft sein können.

Zack Snyder hat sich nach seiner 300 Verfilmung nun diesem Thema angenommen und geschafft, was in vielen Kreisen als unmöglich galt, nämlich Watchmen auf die Leinwand zu bringen. Die aufwendig gestalteten Comics wurden im Kino ebenso optisch opulent wiedergegeben und garantieren gute 3 Stunden Unterhaltung. Wer jedoch das Original lesen und sehen möchte, der greift zu der Zusammenfassung aller Watchmen Comics und wird mit einer abwechslungsreichen Story belohnt. Die psychologische Komponente ist sicher einer der Schlüssel des Erfolgs dieser Comicreihe und daher empfiehlt es sich auch dieses Buch einmal näher zu betrachten: “Watchmen and Philosophy: A Rohrschach Test“.

22843071n Ein viel zu schönes MädchenSie ist schön und bekommt das auch ständig zu hören. Margaux ist aber nicht nur schön, sondern auch intelligent und beliebt. Sie geht gerne shoppen und mit Freunden aus. Eigentlich ein ganz normales Mädchen, dass sich über nichts beklagen könnte. Er ist eher introvertiert und hat keinen Sinn für ihre offensichtlichen Reize. Denny ist alles andere als normal und rettet lieber Tiere, als Margaux eines Blickes zu würdigen. Es ist ein ungleiches Paar, das trotzdem oder gerade deswegen zueinander findet. Natürlich ist alles nicht ganz so einfach. Denn Margaux hält es zuhause nicht aus und tut alles um dort raus zu kommen. Sie wird in der Schule als Schlampe denunziert und das alles nur wegen ihres Äußeren. Da ist es eine willkommene Abwechslung, dass sie mal jemand nicht nur wegen ihres Äußeren vorverurteilt, sondern sich auf ihren Charakter einlässt.


Dieses Buch ist mehr als nur eine einfache Liebesgeschichte. Die Entwicklung zweier Individuen, die sich eigentlich so nie über den Weg laufen würden, sich aber dennoch so stark beeinflussen, wie es wohl kaum jemand anderes hätte tun können. Ein Buch über zwei ganz unterschiedliche Außenseiter, den Heimlichen und den Offensichtlichen. Ron Koertge hat hier einen mitreißenden Roman geschrieben, der einen interessanten Blick auf das Leben von Jugendlichen wirft, oder dabei in Extreme zu verfallen.

08604897n Philosophie leicht gemachtPhilosophie ist nicht jedermanns Sache. Man könnte sogar sagen, Philosophie hat ein Imageproblem. Dem möchte Jostein Gaarder entgegenwirken, mit Erfolg! In seinem Roman: „Sophies Welt“ wird die westliche Philosophie geschickt und vor allem unterhaltsam aufbereitet und auch für Anfänger zugänglich gemacht. Der Schmöcker ist jedoch kein Lehrbuch und will es auch nicht sein. Vielmehr wird hier anhand von Sofies Geschichte eine Welt zugänglich gemacht, der man sich sonst womöglich verschlossen hätte.

Beim Lesen des Buchs ist es fast so als würde man das erste Mal wirklich anfangen zu denken. Man ist das Kaninchen das aus dem Zylinder gezogen wird und die Frage gestellt bekommt: „Wer bist du?“ Doch Jostein Gaarder hat es damit nicht bewenden lassen. Im Gedanken was für ein Buch die Protagonistin aus Sophies Welt sich in einer Buchhandlung holen würde, wenn sie an Philosophie interessiert ist, hat Gaarder noch „Das Kartengeheimnis“ geschrieben.

07339680n Philosophie leicht gemacht

Hans-Thomas wirkt hier wie der kleine Bruder Sophies und erfährt auch eine spannende Einführung in die Philosophie. Eigentlich sind es drei Reisen, die Hans-Thomas durchlebt, eine räumliche, einer erzählerische und eine gedankliche. Wenn man sich auf die illustren Abgründe und Phantasien einlässt, ist dieses Buch wohl eines der interessantesten Beschreibungen in die Metaphysik und das Denken an sich!


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